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Was macht die Sonne mit unserer Haut, auch nach dem Sommer?
Sonnengebräunte Haut wirkt frisch und gesund. Medizinisch betrachtet ist Bräune jedoch eine Schutzreaktion: Die Haut bildet mehr Pigment, weil UV-Strahlung ihre Zellen belastet. UV-A-Strahlen dringen tief in die Haut ein und beschleunigen die Hautalterung. UV-B-Strahlen verursachen Sonnenbrand. Beide können das Erbgut der Hautzellen schädigen.
Meist repariert die Haut diese Schäden selbst, aber nicht immer vollständig. Die Haut vergisst nichts, und jede Sonnenstunde summiert sich über das gesamte Leben. In unserer Hautarztpraxis sehen wir oft, dass Hautveränderungen erst Jahre nach intensiver Sonneneinstrahlung entstehen. Deshalb endet die Aufmerksamkeit für die Haut nicht mit dem letzten Urlaubstag. Nach dem Sommer ist sie besonders wichtig.
Warum ist der Herbst ein guter Zeitpunkt für die Hautkrebsvorsorge?
Nach dem Sommer lässt sich gut beurteilen, wie die Haut auf die UV-Belastung der vergangenen Monate reagiert hat. Neue Pigmentflecken, veränderte Muttermale oder raue, schuppige Stellen fallen jetzt oft erst auf. Wenn die Bräune nachlässt, sind Farbe und Struktur von Hautveränderungen außerdem besser zu erkennen.
Auch praktisch spricht vieles für den Herbst. Manchmal ist eine Behandlung nötig, etwa die Entfernung eines auffälligen Muttermals oder die Therapie von Hautkrebsvorstufen. Dann ist die sonnenarme Jahreszeit ideal, weil die Haut in Ruhe heilen kann, ohne direkter Sonne ausgesetzt zu sein. Auch lichtempfindliche Therapien lassen sich im Herbst und Winter besser umsetzen. Der Herbst ist damit ein guter Moment, um Bilanz zu ziehen und die Haut gut vorbereitet ins neue Jahr zu begleiten.
Weißer und schwarzer Hautkrebs: Was ist der Unterschied?
In der Dermatologie werden vor allem zwei Gruppen von Hautkrebs unterschieden.
Der weiße oder helle Hautkrebs ist die häufigste Form. Dazu zählen das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom. Beide entstehen vor allem an Stellen, die über Jahre viel Sonne abbekommen haben: Gesicht, Ohren, Kopfhaut, Dekolleté oder Handrücken. Sie wachsen meist langsam und sind bei früher Erkennung sehr gut behandelbar. Eine häufige Vorstufe ist die aktinische Keratose. Das sind raue, schuppige Hautstellen, die man oft eher ertastet als sieht.
Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, ist seltener, aber gefährlicher. Er kann früher Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Er entsteht aus pigmentbildenden Zellen, entweder aus bestehenden Muttermalen oder auf bisher unauffälliger Haut. Für alle Formen gilt: Je früher sie erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen.
Welche Hautveränderungen sollten ärztlich abgeklärt werden?
Ein regelmäßiger Blick auf die eigene Haut ist sinnvoll, am besten einmal im Monat bei gutem Licht und mit einem Spiegel für schwer einsehbare Stellen. Für Muttermale hat sich die ABCDE-Regel als Orientierung bewährt:
A – Asymmetrie: Das Mal ist ungleichmäßig geformt.
B – Begrenzung: Die Ränder sind unscharf, ausgefranst oder verwaschen.
C – Colour (Farbe): Das Mal hat mehrere Farbtöne, etwa Braun, Schwarz, Rot oder Grau.
D – Durchmesser: Das Mal ist größer als etwa fünf Millimeter.
E – Entwicklung: Das Mal verändert sich in Größe, Form, Farbe oder Höhe.
Auch Hautstellen, die jucken, bluten, nicht abheilen oder sich rau anfühlen, sollten fachärztlich untersucht werden. Die Selbstkontrolle ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, Veränderungen früh zu bemerken.
Zwei Blickwinkel, ein Ziel: Die digitale Videodermatoskopie zeigt jedes Muttermal im Detail. Das Total-Body-Mapping, eine fotografische Landkarte der gesamten Haut, macht neue Male sichtbar. Bei jeder Kontrolle werten wir die digitalen Aufnahmen aus und erkennen mit KI-Unterstützung kleinste Veränderungen, lange bevor sie dem bloßen Auge auffallen.
Wie läuft die Hautkrebsvorsorge ab?
Bei der Hautkrebsvorsorge untersuchen wir die gesamte Hautoberfläche vom Kopf bis zu den Zehen. Dazu gehören auch Stellen, die leicht übersehen werden, wie die Kopfhaut, die Fußsohlen und die Zehenzwischenräume. Vorab sprechen wir über persönliche Risikofaktoren, frühere Sonnenbrände und Hautkrebs in der Familie.
Bei der klassischen Dermatoskopie betrachten wir auffällige Male mit einer speziellen Lupe. Die digitale Videodermatoskopie geht einen Schritt weiter. Eine hochauflösende Kamera vergrößert die Hautstrukturen stark und zeigt Details, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind.
Beim Total-Body-Mapping fotografieren wir zusätzlich die gesamte Hautoberfläche. Die Aufnahmen werden gespeichert, und bei jeder Folgeuntersuchung vergleichen wir sie mit den neuen Bildern. So fallen selbst kleinste Veränderungen auf und wir erkennen frühzeitig, ob sich ein Mal verändert hat oder ein neues hinzugekommen ist.
Die Untersuchung ist schmerzfrei und ohne Eingriff. Nur wenn ein Befund unklar bleibt, empfehlen wir gegebenenfalls eine Gewebeprobe.
Hautkrebsvorsorge im Alter: Was eine britische Melanom-Studie zeigt
Weltweit nehmen Melanom-Diagnosen seit dem späten 20. Jahrhundert zu, während die Sterblichkeit in England und anderen Ländern nicht mehr steigt, unter anderem dank besserer Therapien. Wie sich schwarzer Hautkrebs über die Jahre entwickelt, hat ein britisches Forschungsteam untersucht. Die 2025 im British Journal of Dermatology veröffentlichte Studie wertet Registerdaten von über 300.000 Melanom-Diagnosen in England aus den Jahren 2001 bis 2020 aus.
Das Ergebnis macht Mut: Bei jungen Menschen gehen die Neuerkrankungen seit Ende der 2000er-Jahre zurück, und bei Erwachsenen unter 74 Jahren ist die Sterblichkeit gesunken. Die Forschenden führen das auf bewussteres Sonnenverhalten, frühere Diagnosen und neue Therapien zurück.
Die Studie zeigt aber auch: Bei über 70-Jährigen nehmen Melanome weiter zu, und bei über 75-Jährigen steigt die Sterblichkeit, besonders bei Männern.
Die Daten lassen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen. Sie unterstreichen aber, worauf wir in unserer Hautarztpraxis großen Wert legen: Hautkrebsvorsorge bleibt ein Leben lang wichtig und bekommt im Alter eine noch höhere Bedeutung.
Wer sollte regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge gehen?
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening. Einige Krankenkassen übernehmen die Untersuchung auch früher. Unabhängig vom Alter empfehlen wir eine regelmäßige fachärztliche Kontrolle bei erhöhtem Risiko, zum Beispiel bei:
- heller Haut, hellen Haaren und Neigung zu Sonnenbrand
- vielen oder auffälligen Muttermalen
- häufigen Sonnenbränden, besonders in der Kindheit
- Hautkrebs in der Familie oder in der eigenen Vorgeschichte
- viel Zeit im Freien, beruflich oder in der Freizeit, sowie Solariumbesuchen
- einem geschwächten Immunsystem, etwa durch bestimmte Medikamente
- einem höherem Lebensalter
Wie oft eine Kontrolle sinnvoll ist, legen wir individuell fest. Die digitale Videodermatoskopie geht über das gesetzliche Screening hinaus und ist in der Regel eine private Zusatzleistung.
Hautkrebsvorsorge ist Selbstfürsorge
Der Sommer schenkt uns Licht, Wärme und Erholung. Er hinterlässt aber auch Spuren, die nicht immer sichtbar sind. Die Hautkrebsvorsorge im Herbst ist deshalb kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen von Achtsamkeit.
Wer die eigene Haut kennt, sie regelmäßig beobachtet und Veränderungen fachärztlich abklären lässt, schafft die beste Grundlage für eine frühe Diagnose. Und eine frühe Diagnose bedeutet bei fast allen Hautkrebsformen sehr gute Behandlungschancen. Moderne Verfahren wie die digitale Videodermatoskopie machen die Vorsorge präzise, schonend und nachvollziehbar. Nach dem Sommer ist der richtige Moment dafür.

In unserer dermatologischen Praxis nehmen wir uns Zeit für Ihre Haut und Ihre Fragen. Wir erklären jeden Befund verständlich und entwickeln gemeinsam einen Vorsorgeplan, der zu Ihrem persönlichen Hautprofil passt.
